Bildungswerk > Fahrtenbuch
19.30 h, Friedensladen Wittelsbacherallee 27, 60316 Frankfurt Straßenbahnhaltestelle Waldschmidtstr., Linie 14; U Zoo / U Merianplatz
62 Fahrten. 62 Begegnungen, meistens nachts. Menschen auf der Durchreise: Geschäftsleute, Intellektuelle, Betrüger, Schläger, Paranoiker, Kranke, Prostituierte, Künstler, Schwätzer – und Schweiger.
Zurück bleibt ihre Geschichte. Das Taxi wird zum fahrenden Erinnerungsort, manchmal sogar zum rollenden Beichtstuhl. İlhami Akter hält diese Geschichten fest. Als Chronist der Großstadtnächte, als Zeuge des Unscheinbaren erzählt er von den kleinen, großen Momenten, in denen sich das Leben zeigt: roh, echt, menschlich. Berichte über uns selbst.
Mit einem Vorwort von Thomas Rudhof-Seibert.
İlhami Akter, Jahrgang 1972, entstammt einer kurdischen Familie aus dem Dorf Zelxidêr bei Karakoçan. 1989 floh Akter auf Beschluß der Familie als 17jähriger nach Deutschland, um der zunehmenden Repression und dem drohenden Militärdienst im militarisierten türkischen Staat zu entgehen. Nach der ersten Ablehnung seines Asylantrags lebte er zwei Jahre lang in Deutschland als illegaler Flüchtling. Diese Zeit in großer Härte überlebte er mit Hilfe verschiedener Flüchtlingsorganisationen und Kirchengemeinden und einzelnen FreundInnen. 1995 wurde sein zweiter Asylantrag positiv ent- schieden. 2009 erlangte er die deutsche Staatsbürgerschaft.
İlhami Akter ist politisch aktiv in der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen e.V., war Vorstandsmitglied im Kurdistan Volkshaus e.V. in Hamburg und Unterstützer verschiedener NGOs.
Als deutscher Staatsbürger konnte Akter 2010 erstmals wieder in die Türkei reisen, seine Mutter und seinen Heimatort besuchen. Weitere Reisen folgten. Bei der letzten, 2018, wurde er vor der Rückreise verhaftet und inhaftiert. Als Haftgrund galt den türkischen Behörden die Weiterleitung eines Posts auf Facebook über die Situation der Kurden. Neben Akter waren zu diesem Zeitpunkt mehrere Deutsche im Rahmen der politischen Auseinandersetzung zwischen dem deutschen und dem türkischen Staat verhaftet worden.
Im anschließenden Verfahren wurde er zu 3 Jahren und 45 Tagen Haft verurteilt. Gleichzeitig wurde die Haft bis zur Entscheidung der 2. Instanz in Hausarrest umgewandelt. Akter entschied sich zur erneuten Flucht nach Deutschland, eine weitere Flucht unter großer Gefahr. (Zur damaligen Solidaritätskampagne)
Seine Erlebnisse dazu veröffentlichte er in seinem Buch: Flucht, Verfolgung, Solidarität. Ein kurdischer Bericht (LAIKA- Verlag 2021), vorgestellt bei der GegenBuchMasse 2022.
Mit seinen Berichten über die Erlebnisse in der Taxi-Welt legt Akter sein zweites Buch vor.
İlhami Akter: Fahrtenbuch. Berichte eines Hamburger Taxifahrers Galerie der abseitigen Künste, Hamburg 2025 ISBN 978-3-948478-26-1, 244 Seiten, 19 €
Es laden ein:
im Rahmen der GegenBuchMasse
Einladung zur Veranstaltung als pdf-Datei